Von der Tafelrunde

Der heutige Ausflug zur Saarschleife sollte mir die Gelegenheit geben, endgültig mit meinem Vorurteil aufzuräumen, das Saarland bestehe nur aus Saarbrücken, was auf Französisch wiederum Saarlouis heißt. Und tatsächlich, nachdem ich den letzten Schrottplatz auf der Höhe von Völklingen (noch eine Stadt!) passiert hatte, führt die Autobahn durch sanfte bewaldete Hügel. Vom Zielort Mettlach sollte es auf knapp 16km einmal um die Saarschleife gehen. Diese Runde gehört zu den sogenannten Tafeltouren, die mit einer Kochmütze markiert sind unter dem Motto “Wandern und Schlemmen” stehen.  Willkommen im Saarland, Hauptsach gudd gess. Wegen des sonnigen Spätsommerwetters waren auch einige Leute unterwegs, die augenscheinlich besonders diesem Tafelaspekt zugetan waren.

Pfarrkirche St. Lutwinus in Mettlach

Pfarrkirche St. Lutwinus in Mettlach

Erste Station: Die bewirtschaftete Burgruine Monclaire. Der Eintritt kostet zwei Euro, was sich im weiteren Verlauf als Tageseinheitspreis etablieren sollte. Irgendwie habe ich im Saarland beim Geldausgeben immer das seltsame Gefühl, es sei ja schließlich für einen guten Zweck. Beim Aufstieg auf die Burgtürme begleitete mich ein appetitlicher Imbissgeruch der vermutlich auf das plakatierte heutige Angebot “Schnitzel mit Pommes” zurückging. Ich frage mich, was wohl morgen auf der Tageskarte stehen wird.

Nach dem Abstieg an das Saarufer setzt eine sehr kleine nur 10 Mann fassende Fähre für zwei Euro die Wanderer zum anderen Ufer über, was zu einem leichten Stau am Bootsanleger geführt hat. Montag hat die Fähre übrigens Ruhetag. Sollte Montag ein Feiertag sein, so verschiebt sich der Ruhetag auf Dienstag. Wie viele Wanderer wohl an dieser Stelle wegen eines unerwarteten Ruhetags schon gezwungen waren, vorzeitig vom Wandern zum Schlemmen überzugehen?

Ich erreichte das andere Ufer und begann mit dem Aufstieg zum bekannten Aussichtspunkt “Cloef”. Schon vom Saarufer aus war abzusehen, dass ich dort heute keineswegs alleine sein würde. Und tatsächlich war es gar nicht so leicht auf die für das obligatorische Schleifenfoto geeigneten Plätze zu kommen. Die örtliche Bratwurst schmeckte nach Wasser (denn gute Bratwurst gibts eben nur in Nordhessen) und kostete natürlich zwei Euro. Aber es war ja für einen guten Zweck.

Die als “schwer” gekennzeichnete Tour war landschaftlich sehr reizvoll und führt größtenteils auf schmalen Wegen und Pfaden am Hang entlang mit gelegentlichem Saarblick. Sie lässt sich auch mit leichterem Schuhwerk und ohne Stöcke bequem an einem Nachmittag zurücklegen. Ich habe mit kurzen Pausen und einer längeren Wartezeit an der Fähre insgesamt vier Stunden gebraucht und mich durchaus nicht überanstrengt. Es gibt noch vier weitere “schwere” Tafeltouren mit über 15km Länge, die ich mir mal locker vorgemerkt habe. Die anderen sind dann doch eher etwas für einen späteren Lebensabschnitt.

Galerie

Von Kornau über das Söllereck zur Kanzelwand

Eine wunderschöne Tagestour mit 22km und 1000 Höhenmetern für 6-8 Stunden.

Kurzmitteilung

Von neuen Wegen

Nach dem Abbruch meiner Deutschlanddurchwanderung habe ich mich entschlossen, diesen Blog als allgemeinen Wanderblog weiterzuführen und in Wort und Bild über kleinere und größere Touren  zu berichten, die ich in der kommenden Zeit gehen werde. Und wer weiß, vielleicht finde ich ja auch irgendwann einmal die Zeit, nach Bärnau zurück zu kehren und die Tour fortzusetzen.

Vom Abbruch

Ich bedanke mich herzlich für die vielen guten Ratschläge, die mich in den letzten 24h erreichten. Ich habe sie alle sorgfältig gelesen und bedacht. Und ja, natürlich kann ich einfach mal einige Zeit pausieren oder gemütlicher gehen und sehen, wie weit ich komme oder ein paar Etappen mit dem Zug Bus fahren. Aber dann kann ich auch einfach eine Woche Urlaub an der Nordsee machen und vielleicht später im September nochmal auf den Rennsteig zu gehen, wenn mir danach ist. Kurzum, es gibt für mich im Moment eigentlich keinen Grund weiter zu gehen.
Außer, dass man aus diesem Nest nicht wegkommt! Es soll laut Bahn ein Bus um 10:25 von der Haltestelle “Schule” fahren. Diese befindet sich, laut Bahn, in der Schulstraße. Klingt plausibel, ist aber falsch. In der Schulstraße gibt es eine Schule aber keinen Hinweis auf eine Haltestelle. Gut, dachte ich mir, vielleicht wissen die Eingeborenen ja von dieser Haltestelle vor der Schule und können sich so das Geld für das Schild sparen. Während ich also wartete, fuhr in Sichtweite ein leerer Bus vorbei. Eine Anwohnerin informierte mich dann, dass hier tatsächlich kein Bus fährt. Es gäbe nur diesen Fahrradbus, der dort hinten fährt. Dort hinten, wo vermutlich der leere Bus herkam, gab es tatsächlich eine Haltestelle, die keinen Namen trägt und an der heute, nach Plan, kein Bus fahren sollte. Nun war es 10:35. Nächste Busverbindung, laut Bahn, 17:25 von Haltestelle “Schule”. Bärnau fing an, mir ziemlich auf den Keks zu gehen.
Also am richtigen Ortsausgang den Daumen in den Wind gehalten und nach 20 Minuten hielt ein schicker schwarzer Mercedes mit freundlichem Ehepaar mittleren Alters, der mich zum Bahnhof nach Wiesau brachte. Nun rollen die Räder.
Noch ein Wort zum Abbruch: Anders als manche glauben, ist das für mich jetzt überhaupt kein Drama. Ich hatte eine großartige Wanderung und nun doch Lust auf was anderes. Nur für mein überraschend großes Publikum tut es mir leid, dass die Veranstaltungen so schnell vorbei ist. Aber es gibt ja noch andere interessante Seiten im Internet, da ist sicher für jeden was dabei.

Von Zweifeln

So langsam geht mir die Puste aus. Aber nicht nur konditionell auch moralisch.
Mein größtes Problem ist der fehlende Grund für das ganze Unterfangen. Um die Strapazen, die deutlich größer sind als angenommen, durchzustehen, braucht man einen Antrieb. Vielleicht möchte man einen Rekord aufstellen, sich selbst etwas beweisen oder ist religiös motiviert wie auf einer Pilgerfahrt. Aber wenn man einfach nur gerne wandern möchte, ist man irgendwann saturiert. Besonders, wenn die höchsten Gipfel bezwungen sind und das Gelände nach und nach an Reiz verliert.
Außerdem ist die Sache auch geistig ziemlich ermattent. Wer glaubt, 30km am Tag zu gehen hätte etwas mit Müßiggang zu tun, der irrt. Der Tag fängt früh an, ist dann sehr anstrengend und nach dem Abendessen auch sehr schnell zu Ende. Nicht daran zu denken, abends noch ein Buch zu lese! Zwar habe ich mir auf einer flacheren Etappe halbwegs erfolgreich Gedanken über die Nachklausur in Funktionentheorie gemacht, mich dabei aber prompt auch zweimal verlaufen.
Und dann überlegt man sich, was man stattdessen mit dieser ganzen Zeit anfangen könnte; wo man hinfahren könnte, wen man besuchen könnte, was man alles lesen könnte und über was man nachdenken könnte.
Und dann fragt man sich, ob diese Sache vielleicht hier mit der schlechtesten Pizza des Jahres ein Ende finden sollte… Wahrscheinlich hat noch nie ein Italiener den Weg nach Bärnau gefunden und umgekehrt. Dabei ist er ganz gut ausgeschildert!

Vom Durchschnitt

Die Nacht verbrachte ich zu den Klängen der A6, einem Nachbarn der niemals schläft. Ansonsten war sie noch etwas kälter und nasser. Obwohl es nicht geregnet hatte, durfte ich auch diesen Morgen ein klatschnasses Zelt einrollen. Anschließend stellte sich die Besatzung eines benachbarten Wohnmobils als Kasseler vor. Heute wohnen sie aber in Maden, nachdem sie “Rentiers” wurden, sagte er und freute sich sichtlich über sein Wortspiel und ich mich über die vertraute Art. Das ist besser wegen der Tochter und man hat einen Stellplatz für das Wohnmobil. Klar.
Danach ging es bei durchschnittlichem Wetter durch durchschnittliche Landschaft entlang der tschechischen Grenze und ich kam gut voran. Bei einer längeren Mittagspause um 13 Uhr hatte ich schon die Hälfte der Etappe geschafft. In der zweiten Hälfte fing leider meine linke Hüfte zu schmerzen an, was mich eine Weile sehr behinderte, sich aber auf den letzten Kilometern wieder einstellte.
Nun sitze ich in Bärnau und habe 300km auf dem Tacho. Der Ort ist zwar auf meiner OSM-Karte dick eingezeichnet, wirkt aber klein und verlassen. Auf dem zentralen Marktplatz stehen etwa 2/3 der Häuser leer, was aber das erste (und einzige) Hotel am Platze nicht davon abhält, ganz moderne Zimmer zu entsprechenden Preisen anzubieten.
Hier sitze ich nun und spiele mit dem Gedanken, meine Reise zu beenden. Davon (vielleicht) später mehr.

Von Steinlohe nach Pfrentsch

Das sind 36 km. Davon ging ich die ersten 20 in Sandalen, um meinen Blasen Erholung zu verschaffen, die nächsten 10 wieder in den Wanderschuhen und die letzten 6 auf dem Zahnfleisch. Durch diesen Gewaltmarsch konnte ich erstens einen kleinen privaten Campingplatz (Wiese am Waldrand hinter schäbigem Haus) erreichen und kann es nun morgen bis nach Bärnau schaffen und die 300km voll machen.
Aber in Anbetracht all der Blasen und Fußschmerzen keimen natürlich auch erste Zweifel an der Notwendigkeit der bisherigen Zielmarken. Aber davon später (bestimmt) mehr.

Vom Zelten

Es ist schon erstaunlich: Die Nacht war mal wieder zu kalt (ich hätte den Schlafsack mit 500g Daunen kaufen sollen), zu nass (weil sich doch immer alles irgendwie klamm anfühlt) und zu hart (weil ich mich auf anraten eines gewissen Herrn Schleichers mit einer einfachen thermarest matte zufrieden gegeben habe). Als ich aufwachte prasselte Regen auf das Zelt und ich entschied, noch eine Weile liegen zu bleiben. Und trotzdem zelte ich einfach gerne, das kann man wahrscheinlich nicht plausibel erklären. Beim Frühstück im nassen Gras bekam ich Lust, heute einfach irgendwo unterwegs mein Zelt aufzuschlagen. Darauf richtete ich meinen Tag aus, doch es sollte anders kommen.
Das Finden eines geeigneten Lagerplatzes ist für den Fernwanderer eine ziemlich schwierige Aufgabe. Das größte Problem ist, dass das Zielgebiet höchstens 5km umfasst. Kommt ein guter Platz zu früh, ist das Tagesziel noch nicht erreicht. Umgekehrt ist das Ziel auch stets so ambitioniert gesteckt, dass die Füße danach nicht bereit sind, noch mehr Gegend zu erkunden. Zusätzlich sollte ein Bachlauf in der Nähe sein oder der Wanderer mit gefüllten Wassertanks eintreffen. Insgesamt scheint mir nach der heutigen erfolglosen Suche Wildcampen mit dem ambitionierten Wanderziel doch schwerer zu vereinbaren als erhofft.

Furth lebt anscheinend hauptsächlich vom Vertrieb von Geschenkartikeln. Einmal im Jahr findet außerdem das Drachentöterfest statt, das ich knapp verpasst habe. Ansonsten verhält es sich mit Furth wie mit jedem Ort dieser Größe. Die Dorfkultur wird um die schlechtesten Aspekte des städtischen ergänzt: Discounter, Kiosks mit sturzbetrunkenen Gästen und Spielhallen.
Aber es gibt öffentliche Mülleimer, wegen deren Abwesenheit ich schon so machen Müll auf so manchen Gipfel getragen habe. Ich meine, im Ernst, wer eine Bushaltestelle ohne Mülleimer aufstellt, braucht sich über deren Vermüllung nicht zu wundern!
Waldmünchen, im weiteren Verlauf des E6, nicht des Goldsteigs, hat auf mich dagegen schon einen freundlicheren Eindruck gemacht. Allerdings habe ich nicht viel mehr als den Netto-Supermarkt gesehen, indem ich endlich mal richtig billig eingekauft habe, z.B. Putenwurst mit Geschmacksrichtung Fahrradschlauch. Mehr davon bei der nächsten Rast.

Vom Szenenwechsel

Nachdem Schuhe und Füße die letzten Tage einen ziemlich eingelaufenen Eindruck machten, habe ich heute wieder die 30km angepeilt und bei bestem Wanderwetter erneut zwei Goldsteigetappen mit fantastischen Ausblicken und nicht zu unterschätzenden Anstiegen absolviert.

Am Lamer Winkel

Am Lamer Winkel

Ich bin nun in Furth im Wald. Die schroffen Gipfel des Bayerischen Walds liegen hinter mir und die waldigen Kuppen des Pfälzer Walds vor mir. Das Gelände sollte mir hoffentlich öfter die Möglichkeit geben zu zelten, um die kritischen Nachfragen aus dem Publikum zu beantworten. So wie heute. Mit dem Essen hat es auch schon besser funktioniert. Meinem Tomatenreis mit zu großen Speckbrocken und verbranntem Knoblauch würde ich auch durchaus nochmal eine zweite Chance geben.
Noch bin ich nicht sicher, ob ich morgen weiter dem Goldsteig oder dem E6 folgen soll, die nun bis Marktredwitz getrennt verlaufen. Vielleicht eine Bauchentscheidung an der Gabelung?